Dienstag, 12. November 2013


Weil "Liken" nicht nur "mögen" heißt
Die Freie Universität Berlin sucht den "Anglizismus des Jahres"


Berlin. Wörter wie "Schal" oder "Keks" gehen deutschen Muttersprachlern wie selbstverständlich über die Lippen. Dass sie dem Englischen entlehnt sind, darüber denkt kaum noch einer beim Sprechen nach. Dieses Jahr wird an der Freien Universität Berlin daher wieder der "Anglizismus des Jahres" gesucht: Die Wörter dazu müssen im letzten Jahr immer häufiger verwendet worden sein, einen englischen Wortbestandteil haben - und eine Lücke im Deutschen ausfüllen.

Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hat 2010 die Initiative gestartet. Bis jetzt stehen 52 Wörter auf der Nominierungsliste für 2013, bis 24. November können weiter Anglizismen im Internet vorgeschlagen werden. 2012 waren sich die Expertenjury und das Publikum einig - "Crowdfunding" war der Anglizismus des Jahres. Anatol Stefanowitsch glaubt, dass die "Big Data" oder "No-Spy-Abkommen" dieses Mal gute Chancen haben. Aber auch der "Whistleblower" könnte gewinnen. Nachdem lateinische ("Fenster") und französische Wellen ("Portemonaie") abgeklungen sind, stehen nun Anglizismen an erster Stelle: Bis zu 90 Prozent der neuen deutschen Lehnwörter stamme aus dem Englischen. "Die öffentliche Diskussion darum ist aber sehr negativ", bemängelt Anatol Stefanowitsch. Er kritisiert er vor allem Interessenverbände wie den Verein Deutsche Sprache, der sich öffentlich lautstark gegen Anglizismen stellt: "Entlehnungen aus dem Englischen sind eine Bereicherung für den deutschen Wortschatz."

Beim "Anglizismus des Jahres" sollen daher Wörter gekürt werden, die man nicht wie etwa "News" ("Neuigkeiten") simpel vom englischen "like" ins Deutsche übersetzen kann. "Liken" etwa, das auch auf der Kandidatenliste steht und das man nicht simpel mit "mögen" übersetzen kann: Das Verb bedeutet, im Internet eine Sache per Mausklick als positiv zu kennzeichnen und an Freunde weiterzuleiten. Der Einfluss von englischen Wörtern hat nach dem Zweiten Weltkrieg mit der amerikanischen Besatzung zugenommen. Verstärkt wurde dieser in den 80er-Jahren, als die Globalisierung Englisch als globale Sprache kürte.www.anglizismusdesjahres.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen