Aus Stadt wird City, Mama wird zu Mum und was mal Laufen war heißt heute Joggen. Anglizismen verbreiten sich im Hochdeutsch schneller als Ameisen auf einer Picknick-Decke.
Zeus-Reporter Lennart Englisch ist darüber not amused.
Anti-Aging, Badminton, City, das Feature, Laptop, Mum und Dad, sowohl Shoppen als auch Joggen und leider auch late und der Service Point der Deutschen Bahn – diese Ausdrücke gehören zum Hochdeutsch des 21. Jahrhunderts.
So zumindest denkt der Durchschnittsdeutsche, der sich ohne den Einfluss der englischen Sprache – auch „Anglizismus“ genannt – kaum noch artikulieren kann. Es ist wirklich great, wie sich unsere traditionsreiche Sprache in Nullkommanichts auflöst und zum Sprachmix „Denglisch“ wird.
Im Zeitalter der Technologie dauert es keine zwei Sekunden mehr, bis alle News von Facebook bis hin zu Twitter noch vor der Schule abrufbereit sind. Danach erst kann die Schule beginnen und im Deutsch- und Englisch-Unterricht geschlafen werden. Denn wen interessieren schon Goethe oder Schiller? Offensichtlich niemanden, denn sonst würde keiner auf die Idee kommen, unsere Sprache im negativen Sinne neu zu erfinden. Doch wem verdanken wir dieses äußerst stilvolle Update der German Language? Wollen wir diesen fortschreitenden Statusverlust wirklich weiter vorantreiben? Die Answer darauf ist eigentlich ganz einfach: Es war noch nie die Art der Deutschen, auf ihre Sprache stolz zu sein. Im Gegensatz zu anderen Sprachkulturen sind wir extrem leicht von der öffentlichen Medienwelt zu manipulieren. Modemacher, Werbefuzzis, Wichtigtuer in der Wissenschaft, aufblühende Wirtschaftskapitäne und plagiierende Politiker hinterlassen in unseren Köpfen eine Voicemail, die sich gewaschen hat. Durch die übertriebene Verwendung englischer Wörter brennt sich in unseren Köpfen ein Gütesiegel für Anglizismen ein. In Wirklichkeit aber steckt oft nichts als heiße Luft hinter diesen denglischen Aussagen.
Allen voran ist es die Werbeindustrie, die den Vorteil dieses imaginären Qualitätssiegels ausnutzt. Ein wunderbares Beispiel dieses Grundgedankens ist etwa der japanische Automobilhersteller „Mitsubishi“ mit seinem Werbeslogan „Drive Alive“. Sinngemäß bedeutet das „fahr lebendig“. Da laut einer repräsentativen Umfrage des Statistikportals www.statista.de 60 Prozent der Deutschen wenig bis gar kein Englisch können oder einfach nur Musik- und Reise-Englischkenntnisse besitzen, wurde aus dem kreativen Werbespruch schnell „lebend ankommen“ oder „überlebe die Fahrt“. Strange daran war, dass der Slogan nach einigen Wochen aus der Werbung entfernt wurde.
Anscheinend schreckt unsere Facepalm dennoch niemanden wirklich ab. Und schon gar nicht den Duden, der schon seit 1971 nicht mehr als rein deutsches Rechtschreiblexikon agiert. Sowohl englische Wörter als auch Redewendungen werden schlicht ins Deutsche übernommen. Sollten wir dennoch Angst haben, dass irgendwelche Brains versuchen, unsere Muttersprache wieder auf die Pole Position zu heben? Alle Sorgen sind überflüssig! Denn solange die Jugend und die chilligen Teeny-Eltern die Anglizismen nicht aussterben lassen, bekommt unsere Sprache einfach weiterhin einen „in its face“. Es ist ja auch nicht von Bedeutung, dass viele die deutsche Sprache für eine der elegantesten und schönsten Sprachen der Welt halten. Warum also sollten wir sie nicht weiterhin mit Füßen treten?
Kurzum: Die Verwendung von jeglichen Anglizismen ist ein Must-have und zu empfehlen für alle, die glauben, dass „Hi“ und „What’s up“ deutsche Begrüßungen sind.
Lennart Englisch, Klasse 8a, Graf-Engelbert-Schule
„Fuck you Goethe?“ Warum Denglisch schlecht für unsere Sprache ist | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
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